Was ist ein Apparat? Was ist der Aparat?

 

Ein neuer Apparat steht zur Verfügung und verfügt. Ein Apparat ist eine Maschine, ein Zusammenspiel verschiedener heterogener Kräfte. „Eine Maschine ist mehr sozialer als technischer Natur“. Einerseits ist sie ein soziales (d.h. ideologisches) Produkt, andererseits besteht sie aus materiellen und sozialen Elementen – dem Bestand. Technische Entwicklungen sind immer vom verfügbaren Bestand und der herrschenden Ideologie abhängig. Die Technik bestimmt also auch die Zukunft der Technik.

 

In diesem Sinn ist der Raum, den wir zur Verfügung stellen, ein Apparat, der selbst bestimmt, was für Formen und Inhalte er sucht und zulässt. Doch die Technik kann zweierlei Effekte haben. Ein Apparat kann uns in die Illusion versetzen autonomes, selbstständiges Subjekt zu sein. Dabei erliegen wir der Vorstellung uns selbst dieser Illusion zu unterwerfen – also in unserer Freiwilligkeit unserer Unterwerfung voranzugehen. Dabei sind wir als transzendentale, cartesianische Subjekte nur ideologischer Effekt der Apparatur. Das ist der ontologische Apparat. Der ontologische Apparat verbirgt und verleugnet sich.

 

Doch der Apparat kann auch entbergen. Wenn der Apparat nicht verstellt, getarnt ist, sondern aus-ge-stellt, wird der ontologische Status des Bildes gebrochen. Wo der Apparat nicht geleugnet wird werden die semiologischen Kräfte der Technik voll nutzbar. Ein Stück Wirklichkeit wird uns so vorgeführt und begreifbar. „Das Ge-stell ver-stellt sich in der ontologisch begründeten Kunst, hingegen stellt das Ge-stell her und stellt sich selbst in der semiotisch begründeten Kunst“. Die Kommerz- und Kulturindustrie hat ein Interesse am ontologischen Zustand des Bildes. Die semiotische Kunst ist schon in dem Maße, in dem es den ontologischen Status des Bildes angreift, auch ein Angriff auf die dahinterstehende Industrie.

 

Der Aparat will ein Apparat sein für semiotische Kunst, die den Apparat nicht leugnet sondern zeigt und sich, in einer kritischen Distanznahme, mit ihm auseinandersetzt.Der Aparat ist also ein Raum der gefüllt werden will. Er ist aber keine Tabula rasa, kein White Cube, kein leerer Raum der sich nach den Inhalten formt. Er sucht bildende und verbildende, angewandte und abgewandte KünstlerInnen und MusikerInnen die Lust haben in einen Dialog mit dem Raum zu treten, ihn als Bühne zu nutzen und sich von ihm nutzen zu lassen.

 

 

 

Dazu muß das cartesianische Subjekt nicht reaktiviert werden: „‘Der Thäter‘ ist zum Thun bloss hinzugedichtet, – das Thun ist Alles“. Uns interessieren die Aktionen – nicht die Namen. Die Kunst die wir suchen, ist die der Offenlegung. Wir ziehen Wände auf Bildern vor und werden skeptisch bei Bildern auf Wänden.

 

 

Der Aparat ist im besten Fall kein repräsentativer sondern ein produktiver Apparat. Er produziert Bedeutung und Wissen (Wissen wird hier durch die Offenlegung der Zusammenhänge zwischen Bedeutung und Bedeutendem produziert). Doch nicht jede Kunst vermag das zu leisten. Auszuwählen was gezeigt und was aus dem Blick genommen wird, ist immer schon ein politischer Akt. In diesem Sinne wollen wir uns auch bewusst politisch engagieren. Kunst ist immer politisch, ob intendiert oder nicht. Der Internet Auftritt und dieser Text sollen dazu dienen dieses Programm offen- und darzulegen.

 

Unser Aparat ist ein Stück Maschine und zwar sowohl als das Stück Technik, das er ist, als auch als das Stück sozialer Raum, der er ist. Er will das aber nicht verstecken, sondern zeigen. Wir geben Raum zu sehen und zu hören und rufen dazu auf, das zu nutzen und sich zu engagieren. (Denkraum: Louis Althusser, Jean-Louise Baudry, Judith Butler, Isolde Charim, Gilles Deleuze, Michel Foucault, Martin Heidegger, Friedrich Nietzsche, Peter Weibel)